Buchhandel wirft Kulturstaatsminister Weimer Untätigkeit bei KI vor
Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Sebastian Guggolz, hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) Untätigkeit beim Schutz der Verlage vor den Folgen von Urheberrechtsverletzungen durch Künstliche Intelligenz (KI) vorgeworfen. Vor einem Jahr habe Weimer auf der Frankfurter Buchmesse "sehr engagiert" Lösungsvorschläge und ein geseztliches Vorgehen in europäischer Abstimmung angekündigt, sagte Guggolz am Dienstag vor Eröffnung der diesjährigen Buchmesse. Passiert sei nichts - "wir sind praktisch auf dem gleichen Stand wie im vergangenen Jahr".
Guggolz forderte ein "schnelles und entschiedenes Vorgehen" der Politik, um die Schäden für die Verlage zu stoppen. Es müssten Regeln aufgestellt, Datentransparenz geschaffen und Lizenzierungsanreize eingeführt werden. Die Buchbranche sollte sich nicht von den Techkonzernen die Bedingungen diktieren lassen, zumal diese oft gar nicht in Europa säßen und ihnen erkennbar die ethischen Maßstäbe fehlten.
Wie der Vorsteher des Börsenvereins sagte, wird der Buchmarkt inzwischen auch von "KI-Schrott" überschwemmt. Gerade im Bereich von Reiseführern und Ratgebern drängten über die einschlägigen Onlineplattformen "massenhaft" mit KI erstellte Bücher in den Markt und beschädigten ihn.
Außerdem nutzten KI-Unternehmen ohne Einwilligung und Vergütung urheberrechtlich geschützte Werke, um ihre Systeme zu trainieren. Guggolz verwies auf den sogenannten Frankfurter Appell, in dem mittlerweile 120 Verlage von der EU-Kommission und der Bundesregierung wirksame Instrumente zur Durchsetzung des Urheberrechts fordern.
Als weiteres großes Problem der Buchbranche bezeichnete Guggolz die nachlassende Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler. Dies drohe zu massiven Folgen für die Gesellschaft zu führen. "Wir sind dabei, unsere Selbstbestimmung zu verlieren."
Lesekompetenz müsse bildungspolitisch verankert werden. Konkret könne das etwa über eine tägliche Leseviertelstunde an den Schulen passieren. Medienkompetenz müsse zudem als Pflichtfach an den Schulen eingeführt werden.
Derweil kündigte Kulturstaatsminister Weimer eine neue Auszeichnung für ein "Literarisches Wort des Jahres" an. In Zusammenarbeit mit der Grimmelshausen-Gesellschaft solle dieses Wort künftig jährlich prämiert werden. "Ist es nicht an der Zeit, die einzigartigen Möglichkeiten der Sprache und Literatur zu feiern und dem Unwort des Jahres sein positives Pendant gegenüberzustellen?", erklärte Weimer dazu.
Gemeinsam mit einer Jury, die neben älterer Literatur auch Neuerscheinungen auf Sprachschöpfungen durchsuche, wolle er dieses "Literarische Wort des Jahres" küren – "ein Wort, das die Kraft der Veränderung in sich trägt".
Die Frankfurter Buchmesse öffnet am Mittwoch für das Fachpublikum und am Freitag für das allgemeine Publikum, es ist die größte Bücherschau der Welt. Gastland ist in diesem Jahr Tschechien.
M.Keller--BP