

Neue Hoffnung für aus Pakistan abgeschobene Afghanen mit deutscher Aufnahmezusage
Diejenigen Afghaninnen und Afghanen, die trotz einer deutschen Aufnahmezusage von Pakistan aus in den vergangenen Wochen in ihr Heimatland abgeschoben wurden, könnten erneut Einreisevisa für Pakistan erhalten. Dies sei von pakistanischer Seite in Aussicht gestellt worden, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Freitag in Berlin. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) kündigte eine Fortsetzung der Sicherheitsüberprüfungen für die in Pakistan festsitzenden mehr als 2000 Menschen aus Afghanistan mit deutscher Aufnahmezusage an.
Anfang August war bekannt geworden, dass die pakistanischen Behörden hunderte der Afghaninnen und Afghanen, die trotz deutscher Aufnahmezusage in dem Land festsitzen, festgenommen und mehr als 200 von ihnen abgeschoben hatten. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hatte sich besorgt über dieses Vorgehen geäußert. Die Ankündigung der neuen Einreisevisa für bereits Abgeschobene ist laut Auswärtigem Amt ein Ergebnis eines Telefonats, dass Wadephul mit seinem pakistanischen Amtskollegen Mohammad Ishaq Dar geführt habe.
"Die beiden waren sich einig, dass zeitnah eine Lösung gefunden werden muss", sagte die Außenamtssprecherin. Es sei "in Aussicht gestellt worden, dass Personen, die bereits nach Afghanistan abgeschoben wurden, von der pakistanischen Seite wieder mit Visa ausgestattet werden sollen". Zudem sollten "bis etwa gegen Jahresende" keine weiteren Verhaftungen oder Abschiebungen mehr stattfinden, "um uns möglichen Raum für eine Lösung zu geben".
Für etwa 50 der in Pakistan festsitzenden Menschen aus Afghanistan soll es laut unbestätigten Berichten am Montag einen Aufnahmeflug nach Deutschland geben. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums bestätigte diesen Termin zwar offiziell nicht. Sie machte aber deutlich, dass es demnächst wieder Aufnahmen geben werde.
Unter den Betroffenen seien insbesondere Menschen, zu deren Aufnahme Deutschland durch Gerichtsbeschlüsse verpflichtet sei. Generell sei maßgeblich, dass "alle diese Personen das Aufnahmeverfahren und die Sicherheitsüberprüfung bis dahin vollständig laufen haben", betonte die Sprecherin.
Dies werde auch für alle weiteren Afghaninnen und Afghanen gelten, die über ein Aufnahmeprogramm nach Deutschland einreisen werden, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). "Wir werden jeden einzelnen Fall einer Prüfung zuführen", versicherte Dobrindt am Freitag in ZDFheute. Je nach Ergebnis dieser Prüfungen "werden dann die Entscheidungen getroffen, ob es zu Aufnahmen kommen kann oder eben auch nicht", kündigte er weiter an.
Zu den laut Medienberichten am Montag geplanten neuen Aufnahmen sagte Dobrindt, Menschen mit einer rechtsverbindlichen Aufnahmezusage könnten "darauf pochen, dass diese Aufnahmen auch erfüllt werden". Erweitert werden solle dieser Kreis jedoch nicht mehr. "Wer keine rechtsverbindliche Aufnahmezusage der Bundesrepublik Deutschland aus der Vergangenheit hat, der wird auch nicht nach Deutschland kommen können", sagte Dobrindt.
Die radikalislamischen Taliban hatten im August 2021 die Macht in dem Land übernommen. Seither gibt es dort schwere Menschenrechtsverletzungen, von denen insbesondere Frauen betroffen sind. Gleichwohl hatten Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, Aufnahmeprogramme "soweit wie möglich" zu beenden.
Im Rahmen dieser Programme erhielten Menschen Aufnahmezusagen, die vor der Machtübernahme der Taliban für die Bundeswehr oder andere Institutionen gearbeitet hatten oder die aus anderen Gründen als besonders gefährdet eingestuft wurden - etwa Frauenrechtlerinnen oder Menschenrechtsaktivisten.
A.Haas--BP