Bundestagspräsidium schließt Signal-Verbot aus - Lindholz aber gegen Messenger
Trotz der jüngsten Angriffswellen gegen Nutzerinnen und Nutzer von Signal schließt Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) ein Verbot des Messengerdienstes im Bundestag aus. Alle Abgeordneten seien letztlich frei und "und jeder kann prinzipiell machen, was er will", sagte sie im Podcast des Nachrichtenmagazins Politico vom Freitag. Allerdings könnten durchaus Empfehlungen ausgesprochen werden und "genau das werden wir tun".
Außerdem prüfe der Bundestag Einschränkungen auf dienstlichen Rechnern. "Für uns stellt sich eben jetzt auch die Frage, ob wir Signal auch von den Rechnern, auf denen es drauf ist, eben runternehmen, auch diese Entscheidung muss fallen", sagte Lindholz dem Portal.
Sie selbst habe als Alternative auf den europäischen Messengerdienst Wire umgestellt und werde ihren Signal-Account nun löschen, sagte Lindholz dem Portal weiter. Wire sei "insgesamt sicherer", aber natürlich seien auch dort Phishing-Angriffe möglich.
Deutsche und ausländische Sicherheitsdienste warnen seit Monaten vor einer sogenannten Phishing-Angriffswelle, die auf die heimliche Übernahme von Signal-Konten von Politikern, Beamten, Diplomaten, Militärs und Journalisten zielt. Ausländische Sicherheitsdienste machen dafür Russland verantwortlich. Inzwischen gibt es offenbar eine beträchtliche Zahl Betroffener, auch im Berliner Politikbetrieb. Darunter soll auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) sein.
Bei der Signal-Kampagne geht es nicht um eine Sicherheitslücke, sondern um geschickte Betrugsversuche, bei denen den Betroffenen vorgespielt wird, sie würden vom Signal-Support kontaktiert. Ist die Masche erfolgreich, haben die Angreifer Zugriff auf die Signal-Chats und Gruppen sowie dort geteilte Fotos und Dateien. Sie können sich bei Signal auch als die Person ausgeben, deren Konto gehackt wurde.
N.Beck--BP