American Dreams: Das geschah in der deutschen Nacht
RETTER: Romelu Lukaku hat eine Saison zum Vergessen hinter sich. Ständig verletzt, nur sieben Einsätze für die SSC Neapel, Gesamtspielzeit gerade mal 64 Minuten. Rudi Garcia nahm den 33 Jahre alten Angreifer mit der imposanten Statur eines Türstehers dennoch mit zur WM. "Ohne ihn geht es nicht", sagte Belgiens französischer Nationaltrainer. Das kalkulierte Risiko ging auf: 23 Sekunden nach seiner Einwechslung erzwang Lukaku in Seattle ein Eigentor von Mohamed Hany zum Endstand von 1:1 (0:1).
ERLÖSER: Fast wäre auch Uruguay böse überrascht worden. Die erste Halbzeit beim 1:1 (0:1) gegen Saudi-Arabien in Miami verschliefen sie Südamerikaner, bis zur 80. Minute lagen sie nach dem Treffer von Abdulelah Al-Amri (41.) zurück, ehe der Erlöser in Person von Maxi Araujo eine Blamage gegen die "Grünen Falken" verhinderte. "Manchmal", sagte Kapitän Federico Valverde leicht genervt, "muss man etwas mehr Geduld haben und sein Spiel durchziehen. In der zweiten Halbzeit haben wir uns deutlich verbessert, und das war zu sehen."
PUNKTETEILUNG: Und der Iran? Auch Team Melli spielte nach den vielen Widerständen und der komplizierten Vorbereitung zum Auftakt seiner politisch aufgeladenen WM-Teilnahme unentschieden. Das 2:2 (1:1) gegen Neuseeland war im vierten Spiel des fünften Turniertags das vierte Remis. Elijah Just (7., 55.) brachte Neuseeland zweimal in Führung, Ramin Rezaeian (32.) und Mohammad Mohebi (65.) glichen für die Iraner, die in Los Angeles von zehntausenden Fans unterstützt wurden, jeweils aus.
EINSTAND: Zu den zahlreichen Neulingen bei der WM gehört auch - Ralf Rangnick. Entsprechend groß ist die Vorfreude bei Österreichs Teamchef auf seine persönliche Premiere. "Ich möchte es auch ein Stück weit genießen und innerlich feiern können", erklärte der 67-Jährige vor dem Auftakt der ÖFB-Auswahl gegen Jordanien am Mittwoch (6.00 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV): "Es liegt an uns, dafür zu sorgen, dass wir uns auch danach freuen und es im Rückblick genießen können." Österreich nimmt erstmals seit 28 Jahren wieder an einer WM-Endrunde teil.
MOTIVATION: Und damit zu den Jordaniern. Deren Trainer will sich gegen Österreich ein Beispiel an den bisherigen Leistungen anderer arabischer Mannschaften im Turnier nehmen. Diese seien "eine Quelle der Motivation, die Ergebnisse sind ermutigend für uns", sagte Jamal Sellami. An den ersten Turniertagen hatten sich unter anderem Katar gegen die Schweiz, Marokko gegen Brasilien, Ägypten gegen Belgien und Saudi-Arabien gegen Uruguay (alle 1:1) gut verkauft.
DROHUNG: Graham Arnold ging noch einen Schritt weiter. Der Trainer des Irak will mit seiner Mannschaft hoch hinaus. "Nur hier zu sein, reicht nicht", sagte der Australier vor dem ersten Gruppenspiel gegen Norwegen in der Nacht zu Mittwoch (0.00 Uhr MESZ/MagentaTV) in Foxborough. Das Ziel sei, "unsere beste Leistung abzurufen und zu versuchen, die Welt zu schocken". Für den Irak ist es die Rückkehr auf die WM-Bühne nach 40 Jahren.
Z.Zimmermann--BP