Badische Presse - Deutsche Industrieproduktion zeigt sich widerstandsfähig - Rekordstand bei Exporten

Börse
DAX 0.74% 26334.99
Goldpreis 1.55% 4367.2 $
Euro STOXX 50 0.56% 6539.26
SDAX 0.61% 18678.37
MDAX 0.4% 32562
TecDAX 1.72% 4071.11
EUR/USD 0.05% 1.1531 $
Deutsche Industrieproduktion zeigt sich widerstandsfähig - Rekordstand bei Exporten
Deutsche Industrieproduktion zeigt sich widerstandsfähig - Rekordstand bei Exporten / Foto: © AFP

Deutsche Industrieproduktion zeigt sich widerstandsfähig - Rekordstand bei Exporten

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich trotz Iran-Kriegs und hoher Energiepreise widerstandsfähig: Im Juni legte nicht nur die Industrieproduktion im dritten Monat in Folge leicht zu - auch stiegen die deutschen Exporte auf einen Rekordstand, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Experten sprachen von einem Lichtblick, warnten aber vor zahlreichen Risiken für einen nachhaltigen Konjunkturaufschwung wie der weiteren Entwicklung in der Golfregion und der Hitze.

Textgröße:

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe wuchs nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Dreimonatsvergleich war die Industrieproduktion von April bis Juni 0,7 Prozent höher als in den drei Monaten davor. Maßgeblich sei die positive Entwicklung auf die Zuwächse in der Autoindustrie zurückzuführen, erklärte das Statistikamt: Hier legte die Produktion um 3,6 Prozent zu.

"Der moderate Aufwärtstrend der Produktion im Produzierenden Gewerbe setzt sich zur Jahresmitte fort", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Damit habe sich die Industrieproduktion "ungeachtet der außenwirtschaftlichen Belastungen im vergangenen Quartal als recht widerstandsfähig erwiesen".

Das Ministerium verwies auch auf eine Erholung im Baugewerbe. Daneben "könnte auch eine relative Verbesserung der Wettbewerbsposition bei den energieintensiven Industrien in Deutschland im Vergleich zu den asiatischen Konkurrenten eine Rolle gespielt haben". Asiatische Staaten sind stark abhängig von Öl und Gas aus der Golfregion und sind damit betroffen von Lieferengpässen und stark gestiegenen Preisen.

Ähnliches vermutete ING-Analyst Carsten Brzeski. "Einige Branchen oder Unternehmen scheinen tatsächlich vom Krieg im Nahen Osten profitiert zu haben, da asiatische Wettbewerber stärker von der Sperrung der Straße von Hormus betroffen waren", erklärte er. Insgesamt habe die deutsche Industrie überraschende Resilienz an den Tag gelegt, fuhr Brzeski fort. Für die nachhaltige Erholung der deutschen Wirtschaft bedürfe es aber weiterer Strukturreformen. Auch sei die kurzfristige Entwicklung von den Energiepreisen, dem Krieg in der Golfregion und der Hitzewelle abhängig.

Aktuell hemmt das Niedrigwasser in manchen Branchen die Produktion: Die historischen Niedrigwasserstände auf zentralen Binnenschifffahrtsstraßen seien eine "Herausforderung für die regionale Rohstoff- und Materialversorgung von Industrieunternehmen", erklärte das Wirtschaftsministerium. Bei einem längeren Anhalten der reduzierten Binnenschifffahrtskapazitäten seien temporäre Einschränkungen bei der Produktionstätigkeit von betroffenen Unternehmen nicht auszuschließen.

Im Juni wuchsen auch Deutschlands Exporte: Im Vergleich zum Vormonat legte ihr Wert um 0,9 Prozent auf einen Höchststand von 139,3 Milliarden Euro zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Noch nie hätten die deutschen Exporteure in einem Monat so viele Waren ins Ausland geliefert wie im Juni 2026. Den bisherigen Rekord erreichten sie demnach im September 2022 mit 139,1 Milliarden Euro.

Die Importe stiegen zugleich um 4,4 Prozent auf 123,9 Milliarden Euro. Einen höheren Wert hatte es laut Bundesamt zuletzt im November 2022 gegeben.

Die Zuwächse im europäischen Geschäft und anderen Märkten hätten den starken Rückgang der Ausfuhren in die USA "mehr als ausgleichen" können, erklärte der Präsident des Außenhandelsverband BGA, Dirk Jandura. "Das unterstreicht, wie wichtig diversifizierte Absatzmärkte gerade in Zeiten wachsender handelspolitischer Unsicherheit sind."

Sowohl Jandura als auch der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, mahnten jedoch, dass es zu früh sei für eine Entwarnung. Treier sprach zwar vom Exportwachstum als einem "konjunkturellen Lichtblick", erklärte aber, die Industrieproduktion hierzulande trete "auf der Stelle". "Die Aussichten für den Welthandel sind weiter trüb", fuhr er fort. Auch sorgten "die Konsumschwäche im chinesischen Binnenmarkt und die wachsende Konkurrenz chinesischer Anbieter für erheblichen Druck auf die deutsche und europäische Exportwirtschaft".

T.Schmid--BP