IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn - Arbeitgeber: "Realitätsfern"
In der anstehenden Tarifrunde für 3,7 Millionen Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie fordert die IG Metall fünf Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Mehrere Bezirke teilten am Dienstag die Beschlüsse ihrer Tarifkommissionen mit - am Mittwoch soll der Gewerkschaftsvorstand die Forderung für die gesamte IG Metall beschließen. Der Arbeitnehmerverband Südwestmetall wies die Forderungen umgehend als "realitätsfern" zurück. Die Tarifverhandlungen beginnen im Oktober.
"Die Beschäftigten sind weiterhin mit deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten konfrontiert", erklärte die Gewerkschaft in Baden-Württemberg. Gehaltssteigerungen seien nötig, um die Kaufkraft zu erhalten. "Die Forderung nach einer spürbaren tabellenwirksamen Entgelterhöhung steht dabei gemeinsam mit dem Anliegen nach mehr Sicherheit für Beschäftigte und Betriebe im Mittelpunkt."
"Eine Forderung von fünf Prozent in der jetzigen Zeit macht uns fassungslos", erklärte dazu der Südwestmetall-Vorsitzende Peter Sebastian Krause. "Damit werden völlig falsche Erwartungen geweckt." Mit solchen Forderungen in der Krise gefährde die Gewerkschaft zehntausende Arbeitsplätze.
Für die Arbeitgeber gehe es derzeit vor allem darum, die Kosten zu senken, erklärte Südwestmetall. "Es muss uns gelingen, dass unsere Unternehmen hier wieder wettbewerbsfähig produzieren können und somit möglichst viele Arbeitsplätze im Land erhalten bleiben", erklärte Krause. Dafür brauche es "Lösungskorridore für Kostensenkungen", statt "realitätsferner" Gehaltsforderungen.
"Die wirtschaftliche Lage ist in vielen Betrieben und Teilbranchen angespannt", erklärte auch Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg. Doch die Beschäftigten brauchten beides: "eine spürbare Erhöhung ihrer Einkommen und verlässliche Perspektiven für ihre Arbeitsplätze und Standorte".
Die IG Metall will den Angaben zufolge in den Verhandlungen auch über das Thema Beschäftigungs- und Standortsicherung sprechen. Wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe sollen eine tarifliche Gewinnbeteiligung zahlen, für untere Lohngruppen soll es eine "Komponente zur Besserstellung" geben.
Eine vor zwei Wochen veröffentlichte Umfrage unter Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie hatte ergeben, dass sie sich vor allem wegen der gestiegenen Kosten für Lebenshaltung und Gesundheit Sorgen machen. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten bewegt demnach die Sicherheit des persönlichen Arbeitsplatzes beziehungsweise die Zukunft des Betriebs.
Die wirtschaftliche Lage ihres Betriebs bezeichnete die Hälfte der Befragten als gut oder sehr gut. Ein Drittel sagte auf die Frage "geht so". Jeder Fünfte nannte die Lage des Unternehmens schlecht oder sehr schlecht. In den Branchen Luft- und Raumfahrt, Rüstung, Schiffbau und Energie herrsche eine positive Wahrnehmung, erklärte die IG Metall damals. In der Autoindustrie und bei Dienstleistern blickten die Beschäftigten kritischer auf den Kurs ihres Unternehmens.
K.Lehmann--BP